26.04.2007 - Rede im Deutschen Bundestag zur Stärkung der Kulturwirtschaft
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Rita Pawelski (CDU/CSU):
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! "Was bedeutet schon Geld?", fragte einmal der amerikanische Musiker Bob Dylan und fügte hinzu: "Ein Mensch ist schließlich erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen das tut, was ihm gefällt."
(Hans-Joachim Otto [Frankfurt] [FDP]: Stimmt!)
Mit Kunst und Kultur Geld verdienen? Das entspricht oft nicht dem Selbstbild und den Vorstellungen von künstlerischen, kreativen und schöpferischen Menschen. Doch Realität ist: Rund um die Kultur hat sich ein eigenständiger Wirtschaftszweig entwickelt, die Kulturwirtschaft. Diese Verflechtung von Kultur und Wirtschaft ist zwar nicht immer einfach, sie bietet aber sehr große Chancen und Potenziale.
Nach Jahren des Dornröschenschlafs rückte die Kulturwirtschaft endlich ins öffentliche Bewusstsein. Große Verdienste daran hat der Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Er hat das Thema Kulturwirtschaft ganz oben auf seine Agenda gesetzt und mit dem neuen Filmfördermodell und der "Initiative Musik" zwei wichtige Maßnahmen zu ihrer Stärkung ergriffen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Außerdem hat er es geschafft, die Förderung der Kulturwirtschaft zu einem zentralen Thema der Europäischen Union zu machen.
(Hans-Joachim Otto [Frankfurt] [FDP]: Warum darf der Staatsminister heute nicht reden?)
Ich möchte an dieser Stelle auch der Vorsitzenden der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland", Gitta Connemann, danken, die einige Vorarbeit hier geleistet hat. Vielen Dank, liebe Kollegin.
Wie wichtig die Kulturwirtschaft für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland ist, wurde mittlerweile von allen Rednerinnen und Rednern mehrfach betont. Ich freue mich, dass wir uns in diesem Punkt alle einig sind. Darum brauche ich es nicht mehr zu wiederholen. Aber man muss sich schon fragen, was sich hinter dem Begriff "Kulturwirtschaft" verbirgt. Die Suche nach einer verbindlichen Definition und einer eindeutigen Abgrenzung endet oftmals in kreativer Vielfalt: Auf nationaler wie auf internationaler Ebene gibt es die unterschiedlichsten Bestimmungen und damit die unterschiedlichsten Daten. Was fehlt, sind einheitliche Statistiken, Daten und Informationen zur Kulturwirtschaft.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)
Die Zeit ist reif für einen bundeseinheitlichen Kulturwirtschaftsbericht. Nur damit können wir die noch ungenutzten Potenziale der Kulturwirtschaft besser erkennen und ausschöpfen.
Die Kulturwirtschaft lebt von der Kreativität und von den Ideen des Einzelnen. Will der Einzelne jedoch von seiner künstlerischen und kreativen Arbeit leben, muss er fast unweigerlich zum Freiberufler oder Selbstständigen werden; denn die Unternehmen vergeben ihre kreativen Tätigkeiten immer öfter an Freiberufler. Die Autofirma beschäftigt keinen Designer mehr, der Buchverlag setzt auf freie Lektoren, das Museum beauftragt freiberufliche Kunsthistoriker. Das ist der Trend.
Wir müssen den kreativen Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtern. Der Bund muss in Absprache mit den Ländern die Rahmenbedingungen dafür gestalten. Wir wollen, dass die bestehenden Förder-instrumente beispielsweise der KfW und der Europäischen Union überprüft und stärker an den kulturwirtschaftlichen Anforderungen ausgerichtet werden.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dabei sind Finanzierungsmöglichkeiten zu sichern, die den Kulturschaffenden trotz des hohen Risikos der Selbstständigkeit und geringerer Sicherheiten offenstehen. Wir alle wissen, dass Basel II gerade für junge selbstständige Kreative eine unglaubliche Hürde darstellt. Wir müssen ihnen den Weg erleichtern.
Es sollen kulturwirtschaftliche Kompetenzagenturen geschaffen werden, die kleine Unternehmen gerade in der Gründungsphase unterstützen und beraten. Wir müssen dazu beitragen, dass Kulturwirtschaftsunternehmen untereinander, aber auch mit Unternehmen aus anderen Branchen verstärkt Netzwerke knüpfen und Kooperationen auf die Beine stellen. Ich denke dabei zum Beispiel an den Tourismus. Schon jetzt besuchen viele Menschen aus aller Welt unsere Städte, unsere einzigartigen Kulturgüter und unsere kulturellen Einrichtungen und tragen damit zum Wachstum unserer Wirtschaft bei.
Wir wollen bei anstehenden Gesetzesberatungen die soziale und wirtschaftliche Situation der Kunst- und Kulturschaffenden stärker beachten. Herr Dörmann hat schon die Künstlersozialversicherung angesprochen, wo das sehr gut gelungen ist. Wir müssen aber auch bei anderen Gesetzen darauf achten, dass die Belange der jungen Künstler stärker berücksichtigt werden.
Bei allen Aktivitäten zur Stärkung der Kulturwirtschaft darf eines nicht außer Acht gelassen werden: die Wechselbeziehung zwischen öffentlichem und privatwirtschaftlichem Kultursektor. Wir wissen, dass Musicals nicht gefördert werden, dass Opern aber gefördert werden. Hier gibt es Gegensätze, die wir überwinden müssen. Beide Sektoren sind so eng miteinander verknüpft, dass der eine ohne den anderen nicht funktionieren kann, auch wenn sich beide argwöhnisch beäugen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Kunst und Kultur sind Währungen der Zukunft.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP - Gitta Connemann [CDU/CSU]: Sehr schöner Satz!)
Lassen Sie uns darum gemeinsam alle Kräfte bündeln! Ich habe an den Reden gemerkt, dass hier wirklich große Einigkeit besteht. Vielleicht gelingt es uns, einen interfraktionellen Antrag zu dieser wichtigen Frage zu formulieren, -
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Frau Kollegin!
Rita Pawelski (CDU/CSU):
- mit dem wir dieses Thema in die Köpfe aller Menschen bringen.
Ich danke Ihnen für Ihre Geduld, Frau Präsidentin.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
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